Ausstellungsinformation
Portraits der 20er - 60er Jahre
Das fotografische Werk von Annelise Kretschmer (1903 - 1987) umspannt einen Zeitraum von fünf Jahrzehnten, beginnend in der Mitte der 1920er Jahre. Nach dem Besuch der Kunstgewerbeschule in München wo sie Zeichnen und Buchbinderei lernt, volontiert Annelise Kretschmer zuerst in dem Portraitatelier von E. Kaenel in Essen (1922-24), um anschließend als Meisterschülerin zu Franz Fiedler nach Dresden zu gehen (1924-28).
Bis auf kleinere Serien mit Ansichten von Reisen nach Paris und Hiddensee konzentriert sich Annelise Kretschmer auf die Portraitfotografie. Sie publiziert ihre Arbeiten regelmäßig in Zeitschriften wie "Das Atelier" und eröffnet in Dortmund Ende der 1920er Jahre ein eigenes Fotoatelier. 1929 nimmt sie an der legendären Wanderausstellung "Film und Foto" teil und 1930 an der Ausstellung "Das Lichtbild". 1928 heiratet sie den Bildhauer Sigmund Kretschmer. Durch ihn wird ihre Auseinandersetzung mit der Gegenwartskunst vertieft.
Die Fotografien von Annelise Kretschmer stehen anfangs im Spannungsfeld der "Neuen Fotografie", sie experimentiert mit Ausschnitten und Formen, wobei im Bereich des Portraits immer die Persönlichkeit des Portraitierten im Zentrum steht.
Zwei Themen bestimmen die Portraitfotografie von Annelise Kretschmer: Aufnahmen von ihren Kindern in den 1930er Jahren und von Kulturschaffenden und Bürgern aus dem Umfeld ihrer Heimatstadt Dortmund bis in die 1960er Jahre. Die Portraits sowohl ihrer Kinder als auch die offiziellen Studioportraits zeichnen sich durch eine große psychologische Intensität aus, die Annelise Kretschmer durch die Konzentration auf Mimik und Gestik der Portraitierten erzeugt. Gleichzeitig verunklärt sie häufig den Bildraum durch enge Ausschnitte, den Einsatz von Licht und Schatten und die geschickte Auswahl von Hintergründen, die zum Teil fast malerisch erscheinen.
1943 übersiedelt die Familie Kretschmer in den Breisgau. 1950 wiedereröffnet Anneliese Kretschmer ihr im Krieg zerstörtes Studio. 1953 stirbt Sigmund Kretschmer und ab 1958 arbeitet Annelise Kretschmer mit ihrer jüngsten Tochter Christiane von Königslöw zusammen. Weiterhin stellen "psychologische Portraits" den Schwerpunkt ihrer Arbeit dar, wobei ihr fotografischer Stil sachlicher und kühler erscheint. Ab den späten 1950er Jahren sind es vor allem Kunstschaffende, wie der Bildhauer Ewald Mataré oder der Fotograf Albert Renger-Patzsch, die von ihr portraitiert werden.