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- Where Time Has Stopped. Tokyo 1967

- Espana Grand Tarde. Japan 1969

- Japanesque. Tokyo 1970

- Celebration of Life. Tokyo 1972

- Where Time Has Vanished. Tokyo 1975

- Domains (Ôkoku). Tokyo 1978

- Venice - Nightscapes. Tokyo 1985

- Human Land. Tokyo 1987

- Tokyo, the ‘50s. Tokyo 1996

- Stateless Land - 1954. Tokyo 2004

Gustav Klutsis and Valentina Kulagina: A Revolutionary Portrait

Kuratiert von Dr. Margarita Tupitsyn

Vernissage: Freitag, 22.01.2010, 18 - 21 Uhr

Ausstellung: 23. Januar – 9. März 2010
Di - Sa 11 - 18 Uhr

Die Galerie Priska Pasquer freut sich, eine Ausstellung mit Fotografien und Fotomontagen des Künstlerpaars Gustav Klutsis und Valentina Kulagina zu präsentieren.

Der russische Konstruktivist Gustav Klutsis leistete Pionierarbeit auf dem Gebiet des Designs, der Fotografie sowie der Fotomontage. Neben Alexander Rodchenko, Varvara Stepanova, El Lissitzky und Sergei Senkin gilt Klutsis als ein maßgeblicher Vertreter der post-abstrakten sowjetischen Avantgarde. Seine Frau und Kollegin Valentina Kulagina war eine innovative Plakat-, Buch- und Ausstellungsdesignerin. Die hier präsentierte Ausstellung untersucht die kreative Partnerschaft der beiden Künstler.

Klutsis und Kulagina betrachteten die Kamera stets als ein Medium für Experimente und für den kreativen Austausch. Ab Mitte der 1920er Jahre basierten alle ihre öffentlichen Projekte auf Fotografie. Die Fähigkeit der Fotografie, die fotografierten Objekte aus ihrem Umfeld zu isolieren, ermöglichte es Klutsis in seiner künstlerischen Arbeit zeitweise dem unmittelbaren sowjetischen, politischen Kontext zu entfliehen. Zum Beispiel isoliert Klutsis in seinen Portraits von Valentina Kulagina die Portraitierte wiederholt aus dem Umfeld. Mit dieser Vorgehensweise stehen diese Portraits im Kanon der internationalen Moderne.
Im Gegensatz dazu fotografierte Kulagina Gustav Klutsis in Situationen, in denen der sowjetische Kontext besonders deutlich wird. Zum Beispiel lichtete sie ihn in einer Militäruniform ab, als er im Jahr 1930 in Moskau eine militärisch-politische Schulung durchlief.

Klutsis’ große Ambitionen in Bezug auf die Fotografie richteten sich auf die Dokumentarfotografie, die er insbesondere für seine Fotomontagen benutzte. Das Bildarchiv von Gustav Klutis beginnt mit Arbeiten aus der Zeit um 1924. Es umfasst Fotografien, die sowohl das öffentliche als auch das private Leben dokumentieren. In der Verwendung dieser Bilder für seine Fotomontagen unterscheidet sich Klutsis von anderen sowjetischen Künstlern wie Alexander Rodchenko, die bei ihren Fotomontagen in der Regel auf gefundenes Fotomaterial zurückgeriffen haben. Wie Klutsis portraitierte Alexander Rodchenko in den frühen 1920er Jahren seine Freunde und Familie. Rodchenko jedoch verfolgte nicht die Absicht, diese Motive für politische Bildideen zu benutzen, und verwendete sie stattdessen für kommerzielle Zwecke. Klutsis auf der anderen Seite ließ sich auf das gewagte Unterfangen ein, Aufnahmen von Freunden und Verwandten auf einem Arbeitstisch zusammen mit seiner ‚Street Photography’ zu plazieren und vermischte in seinen Montagen Familienportraits mit solchen des politischen Führungsstabs.

Klutsis begann um 1929 mit den modernistischen Techniken der Doppelbelichtung und des Fotogramms zu experimentieren, wobei es ihm in erster Linie darum ging, die ungewünschten Überlagerungen und Kanten zu vermeiden, die durch das Ausschneiden und Zusammgenkleben bei Collagen entstaden. Er schuf mittels Doppelbelichtung ein ‚privates’ doppeläugiges Portrait von Valentina Kulaginas Bruder Boris, das Man Rays Portrait der Marquise Casati aus dem Jahr 1922 ähnelt, sowie verschiedene ‚öffentliche’ Plakate. Obwohl in der europäischen Avantgarde Fotografie in den 1920er Jahre nicht unüblich, waren derartige Experimente in Kreisen sowjetischer Fotografen doch relativ selten zu finden. Unter dem weitreichenden Einfluss Rodchenkos favorisierten die meisten avantgardistischen sowjetischen Fotografen radikale Auf- und Untersichten und unkonventionelle Blickwinkel. Die in der Ausstellung präsentierten Collagen dokumentieren die dadaistischen Performances, die in Klutsis’ und Kulaginas Apartment in der Miasnitskaia Straße, dem berühmten VKhUTEMAS-Gebäude, aufgeführt wurden, und repräsentieren eine Auswahl seltener Bildmaterialien, die auf den avantgardistischen Kreis aus Künstlern, Schriftstellern und Grafikdesignern verweisen.



Gustav Klutsis

Nach zweijährigem Kunststudium in seiner Heimat Lettland wurde Gustav Klutsis (1895 – 1938) in die russische Armee eingezogen und war 1917 am Sturz des Zaren beteiligt. Im Jahr 1919 nahm Klutsis das Kunststudium in Moskau in den Ateliers von Konstantin Korovin und Kazimir Malevich wieder auf. Hoch gelobt für seine räumlichen Konstruktionen sowie für eher praktische Entwürfe von Kiosken, Bühnenkonstruktionen und Lautsprechertribünen, wurde Klutsis im Jahr 1924 zum Professor für Farblehre an die konstruktivistische Kunsthochschule VKhUTEMAS (Höhere künstlerisch-technische Werkstätten) berufen. Zusätzlich zu seinen Leistungen auf dem Gebiet des Konstruktivismus avancierte Klutsis bereits in den frühen 1920er Jahren zu einem Pionier der Fotomontage. Klutsis verwendete diese Technik während der 1920er und 1930er Jahre durchgängig in seinen innovativen Designs für Plakate, Zeitschriften und Bücher, und seine Technik wurde rasch von anderen Vertretern der sowjetischen Avantgarde übernommen. Als führender Vertreter auf seinem Gebiet nahm er an Diskussionen zum Thema Fotomontage teil, veröffentlichte Essays über seine Theorien und wurde zu wichtigen Ausstellungen eingeladen, wie unter anderen die Internationale Presse-Ausstellung (Pressa) 1928, sowie Film and Foto, 1929.
Obwohl er ein engagiertes Mitglied der kommunistischen Partei war, wurde Klutsis im Jahr 1938 verhaftet und inhaftiert - unmittelbar nach seiner Rückkehr von der Pariser Weltausstellung, wo er verschiedene Ausstellungen konzipiert und ein von ihm für den sowjetischen Pavillon geschaffenes Fotomontage-Fries installiert hatte. Drei Wochen nach seiner Verhaftung wurde Gustav Klutsis hingerichtet.


Valentina Kulagina

Im Jahr 1920 lernte die Studentin der VKhUTEMAS-Kunsthochschule Valentina Kulagina (1902-1987) Gustav Klutsis kennen, und am 2. Februar 1921 heirateten die beiden Künstler. Während der 1920er Jahre wohnte sie und Klutsis im Hauptgebäude der Hochschule, wo auch Rodchenko, Stepanova und Aleksei Kruchenykh lebten. Im Jahr 1928 trat sie der Künstlergruppe Oktober bei, zu deren Mitgliedern neben Klutsis, der Bereichs Fotomontage leitete, auch Rodchenko, Boris Ignatovich und Lissitzky zählten. Im gleichen Jahr gestaltete sie Teile des sowjetischen Pavillons der legendären Pressa-Ausstellung in Köln. Nach dem Abschluss der Wchutemas-Kunsthochschule war sie für Izogiz (Staatliches Verlagshaus für Kunstpublikationen) und VOKS (All-Unions-Gesellschaft für kulturelle Beziehungen mit dem Ausland) tätig, die sie mit nationalen und internationalen Design-Aufträgen für Plakate, Ausstellungen und Bücher betrauten. Nach Klutsis’ Inhaftierung und Exekution im Jahr 1938 und bis zum Beginn des zweiten Weltkriegs im Jahr 1941 war sie als Designerin von Fotomontagen bei der VSKhV (All-Unions-Landwirtschaftsausstellung) beschäftigt. Nach dem Krieg bekleidete sie eine Position als offizielle Malerin und Designerin. Sie verstarb in Moskau im Jahr 1987.

[Quelle: Margarita Tupitsyn: Gustav Klutsis and Valentina Kulagina. Photography and Montage after Constructivism. International Center of Photography, New York 2004]


Die freischaffende Kuratorin, Kritikerin und Wissenschaftlerin Dr. Margarita Tupitsyn ist Autorin zahlreicher Essays und Bücher über russische und westliche zeitgenössische Kunst und Fotografie sowie Kunst und Fotografie des 20. Jahrhunderts.

Ausgewählte Ausstellungen und Publikationen:

- Margins of Soviet Art: Socialist Realism to the Present. Giancarlo Politi Editore, 1989

- Glaube, Hoffnung, Anpassung. Sowjetische Kunst1928-1945. Museum Folkwang, Essen 1995

- The Soviet Photograph, 1924-1937. Yale 1996

- Alexander Rodtschenko: das neue Moskau. München 1998

- El Lissitzky: Beyond the Abstract Cabinet: Photography, Design, Collaboration. Yale 1999

- Bauhaus: Dessau, Chicago, New York. Museum Folkwang, Essen 2000

- Malevich and Film. Yale, 2002

- Gustav Klutsis and Valentina Kulagina. Photography and Montage after Constructivism. International Center of Photography, New York 2004

- Verbal Photography: Ilya Kabakov, Boris Mikhailov and the Moscow Archive of New Art, Museum Serralves, Porto, 2004 (Mitautorin)

- Gegen Kandinsky / Against Kandinsky. Museum Villa Stuck, München 2007

- Rodchenko & Popova. Defining Constructivism. Tate Modern, London 2009

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