home
HOMENEUAUSSTELLUNGENKÜNSTLERBLOGKONTAKT

Ausstellungsinformation

ARCHITEKTUR & INDUSTRIE

 

In der Ausstellung "Architektur und Industrie" werden drei Fotografen vorgestellt, deren Oeuvre zwar in derselben Epoche entstanden ist, an deren Fotografie jedoch unterschiedliche Ideen von Architekturfotografie abzulesen sind.

Während sich zwei der Fotografen, Werner Mantz und August Sander, in Köln etablierten und sogar zeitweilig in denselben Kreisen verkehrten - beide gehörten in den 1920er Jahren zum Umkreis der "Kölner Progressiven" - verließ Fred G. Korth Deutschland in jungen Jahren und machte in den USA Karriere als Berufsfotograf.

Werner Mantz, 1901 in Köln geboren, wurde in der 2. Hälfte der 1920 Jahre mit seiner an der Neuen Sachlichkeit orientierten Fotografie zum "Hausfotograf" namhafter Architekten in Deutschland, bevor er 1932 in Maastricht ein zweites Studio eröffnete.

Die in der  Ausstellung gezeigten Industriefotografien sind nach seinem Umzug in die Niederlande entstanden und zeigen zum größten Teil Fotografien von Industrieanlagen, die im Auftrag der Provinzregierung entstanden sind. Die Aufnahmen sind typisch für seine Gestaltungsweise mit einem aus dem Zentrum verlegtem Fluchtpunkt und in die Tiefe laufenden Diagonalen, die einen großen Tiefensog erzeugen. Gleichzeitig wird der Raum durch Schlagschatten in die Tiefe gestaffelt ganz nach dem Motto von Mantz: "Lassen Sie die Sonne für sich scheinen - Lassen Sie die Wolken für sich arbeiten - Sonne und Wolken machen oft mehr aus einem Bild als ich". Auch in den Innenräumen bevorzugt Mantz Tageslicht, wofür die Fotografie "Kommunionsbank" mit seinem eleganten Zusammenspiel von schwingenden Linien und Diagonalen, verbunden mit der kontrastreichen Gegenübersetzung von dunklen/hellen und spiegelenden/rauhen Steinmaterialien, ein brillantes Beispiel darstellt.

Der Fotograf Fred G. Korth wird in dieser Ausstellung erstmals außerhalb der USA vorgestellt. Obwohl Korth in den Staaten einen Namen als Architektur- und Werbefotograf hatte, geriet sein Werk nach seiner Berufsaufgabe 1965 in Vergessenheit und fand bislang keinen Eingang in die Fotogeschichte.

Fred G. Korth, 1902 in Guben/ Brandenburg geboren, verbrachte seine Schulzeit in Königsberg (heute Kaliningrad) und später in Berlin. 1926 wanderte er nach Chicago aus, wo er die Fotografie autodidaktisch erlernte und Ende der 20er Jahre dem "Dearborn Camera Club" beitrat. In den 30er Jahren wurden seine Fotografien vielfach auf nationalen und internationalen (Japan, Wien, Madrid) Fotosalons ausgestellt und mehrfach ausgezeichnet. 1932 eröffnete Korth ein Studio in Downtown Chicago und begann für Zeitschriften (National Geographic, Newsweek, Fortune, etc.) zu arbeiten. Über Bildagenturen wurden seine Fotografien nach Übersee u. a. nach Deutschland, Italien und Frankreich verkauft. Neben der Magazinfotografie arbeitete Korth als Industriefotograf für Firmen vor allem aus der Schwerindustrie wie U.S. Steel und Inland Steel und zudem als "Food Photographer" für staatliche Institute.

1949 publizierte Korth ein Buch über Chicago mit einer Auflage von 40.000 Exemplaren. Seine Fotografien fanden auch Eingang Fotografische Jahrbücher in den USA, Frankreich und Deutschland. Fred G. Korth starb 1982.

In der Ausstellung werden unter anderem zwei Werkgruppen von Korth gezeigt. Zum einen eine Auswahl von kleinformatigen Studien mit Straßen- und Architekturszenen aus Chicago Anfang der 30er Jahre. Besonders hervorzuheben sind hierbei die Fotografien in denen Korth aus der Fußgängerperspektive klassizistische Architekturelemente wie Säulen und Treppenaufgänge mit der Dynamik der aufsteigenden Hochhausarchitektur kombiniert, bzw. kontrastiert. Zum anderen finden sich spätere, großformatige Industrieaufnahmen in denen er die Schönheit und Komplexität moderner Technologie im Bild festhält.

August Sander, 1876 in Herdorf (Siegerland) geboren, hat neben seinem Hauptwerk, der Porträtfotografie und den Landschaftsaufnahmen auch einen großen Bestand an Architekturfotografien geschaffen. Der Schwerpunkt dieses Sujets liegt in den 1930er Jahren und erstreckt sich insgesamt über einen Zeitraum von fast 20 Jahren von 1920 bis 1939. In dieser Zeit entstanden Arbeiten - oft als freie Arbeiten, aber auch als Auftrag - von historischen Gebäuden in Köln und in etwas geringerer Zahl von moderner Architektur. Die gezeigten Fotografienen des Allianzgebäudes sind ein Beispiel für eine Auftragsarbeit im Bereich der modernen Architektur.

Schon in den 30er Jahren entstand, parallel zu der Arbeit an dem epochalen Werk "Menschen des 20. Jahrhunderts", der Plan zu einem Mappenwerk unter dem Titel "Köln wie es war", welches erst 1946-52 fertig gestellt werden konnte. Ein Großteil der ausgestellten Architekturmotive ist Bestandteil des Mappenwerks, welches die Darstellung schwerpunktmäßig des historischen Köln zum Inhalt hatte, wobei moderne Architektur nicht ausgeklammert wurde. Vor allem die Rheinbrücken sind ein immer wiederkehrendes Thema in dem Mappenwerk.

Ziel von Sanders Mappenwerk war die überzeitliche Darstellung der Stadt Köln. Die Straßen sind in der Regel menschenleer, aktuelle Entwicklungen wurden bewusst ausgeklammert. Für seine Aufnahmen bevorzugte Sander einen erhöhten Kamerastandpunkt, welcher es ihm ermöglichte die aufstrebenden Linien der Architektur im rechten Winkel zu halten. Zum anderen gelang ihm dadurch die Konzentration auf einzelne Gebäude innerhalb der dichten, mitteralterlichen Stadtstruktur.

Der Aufbau der 16 Mappen zeigt ein ähnliches typologisches Interesse wie August Sanders Porträtfotografie. Die Themen der Mappen reichen vom Dom als zentralem Fokus der Stadt über Mappen mit sakralen und profanen Gebäuden bis hin zu Rheinansichten und Panoramaaufnahmen über den Dächern der Stadt. Der Wechsel von Perspektiven und Darstellungsweisen, von erhabenen, klassischen Architekturaufnahmen über Detailansichten und Fotografien mit Einflüssen der "Neuen Sachlichkeit" lässt dieses Werk weniger streng als das Porträtwerk erscheinen. Dennoch zeigt sich auch in diesem Sujet in vorzüglicher Weise die konzeptuelle Arbeitsweise von August Sander, die sein Oeuvre zu einem Markstein in der Fotogeschichte des 20. Jahrhunderts werden ließ.

 

 

 

ÜBERBLICKTEIL1TEIL2TEIL3TEIL4TEIL5TEIL6'Architektur + Industrie' InformationPANORAMEN NEWSLETTERIMPRESSUM
English
<>