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Ausstellungsinformation

Colour prints and vintage photographs

Daido Moriyama ist einer der wichtigsten japanischen Fotografen nach 1945. Innerhalb und außerhalb Japans spielt sein Werk eine zentrale Rolle in der Etablierung der japanischen Fotografie als einer der kreativsten Richtungen in der Fotogeschichte. Moriyama leistete besonders in der "Provoke Era" - Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre in Japan eine Zeit intensivster fotografischer Aktivität - einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung der Fotografie und hat bis heute großen Einfluss auf die jüngeren japanischen Fotografen.

Wie viele Künstler seiner Generation befand sich Moriyama auf der Suche nach der Identität der japanischen Gesellschaft, einer Gesellschaft, die sich in dem Spannungsfeld zwischen Jahrhunderte alten Traditionen und dem mächtigen Einfluss des Westens, vor allem der USA, bewegt. Die Frage nach den Grundlagen der Gesellschaft und der eigenen Existenz führte ihn mit der Kamera in die Grau- und Randzonen des japanischen Lebens: in Stripclubs, die Hinterzimmer von billigen Kabukitheatern und zu den Bars für amerikanische Soldaten, aber vor allem auf die Straße und auch auf Reisen durch das ländliche Japan. Dabei ist seine Vorgehensweise nicht analytisch oder konzeptuell motiviert. Auf der Suche nach Randexistenzen, nach Brüchen in der Gesellschaft, streifte er unablässig durch die Straßen und fotografierte auch ohne den Sucher zu benutzen. Dabei entstanden Aufnahmen von großer emotionaler Ausdruckskraft. Oft fotografierte er aus der Bewegung und nahm dabei die Position eines streunenden Hundes ein - so auch die Titel zweier seiner Bücher "The Time of a Dog" und "Memories of a Dog". Seine Bilder sind bewusst grobkörnig, unscharf, verkantet, angeschnitten und von hohen Kontrasten geprägt.

Seinen rauen und expressiven Stil - Porträts, Straßenszenen, Aktaufnahmen und Produkte der Alltagskultur - entwickelte Daido Moriyama sowohl unter dem Eindruck der japanischen Avantgarde, wie z. B. des Fotografen Shomei Tomatsu und des Theatermanns Shuji Terayama, als auch der amerikanischen Kunst, wobei vor allem die Fotografie von William Klein und die Grafik von Andy Warhol zu nennen sind.
Auch wenn die Fotografie von Moriyama eine sich unter amerikanischem Einfluss rapide verändernde japanische Gesellschaft zeigt, hat sich Moriyama im Gegensatz zu seinen Kollegen der "Povoke Era" nie als ein politischer Fotograf verstanden. Vielmehr stehen seine Fotografien immer auch in einer direkten Beziehung zu seinem eigenen Leben.

Bislang weitgehend unbekannt ist die Farbfotografie von Daido Moriyama, obwohl er schon seit den 1960er Jahren mit Farbfilmen gearbeitet hat. Jedoch hat er von  Farbaufnahmen nur gelegentlich Abzüge hergestellt und zudem die Farbfilme gelegentlich als Schwarzweißfotografien abgezogen. Die Galerie Priska Pasquer stellt weltweit erstmalig eine Auswahl von Daido Moriyamas Farbfotografien vor. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Aufnahmen vom Anfang der 1970er Jahre.  Daido Moriyama verwendet für seine Farbfotografie eine ähnliche visuelle Grammatik wie bei seinen Schwarzweißaufnahmen, jedoch ersetzt er häufig die hohen Schwarzweißkontraste durch eine oft intensive, kontrastreiche Farbigkeit.

Daido Moriyama, 1938 in Osaka geboren, studierte zuerst Design, bevor er ein Studium der Fotografie in Kobe beginnt. 1961 geht er nach Tokio, um der Gruppe VIVO (Tomatsu, Hosoe etc.) beizutreten. Doch löst sich die Gruppe gerade auf und Moriyama wird Assistent bei Eikoh Hosoe. 1964 trifft er Takuma Nakahira, mit dem er eine intensive künstlerische Freundschaft beginnt. 1968 erscheint sein erstes Buch "Japan: A Photo Theater". 1969 publiziert er in der 2. Ausgabe der Zeitschrift "Provoke". Zu der Zeitschrift hat Nobuyoshi Araki bemerkt: "Sie war wie eine Bombe in der japanischen Fotografie". 1971 reist Moriyama mit dem Designer Tadanori Yoko nach New York. 1972-74 publiziert er mehrere Bücher, darunter "Farewell Photography", in dem er die Grenzen des Mediums erforscht.

Er nimmt an der Ausstellung "New Japanese Photography" im Museum of Modern Art (MOMA), New York, teil. 1975-78 wird Moriyama Lehrer für Fotografie und eröffnet die Galerie Camp in Tokio. 1979?81 verhindern Drogen und Depressionen eine kontinuierliche fotografische Arbeit. 1982 nimmt Moriyama die Fotografie wieder auf und es entstehen neue Serien. Mehrere Bücher erscheinen, unter anderem "The Time of a Dog" und der Textband "Memories of a Dog". 1987 wird die Galerie Room 801 eröffnet. Seit den 1980er Jahren nimmt Daido Moriyama an Ausstellungen zur japanischen Fotografie im In- und Ausland teil. In den 1990er Jahren erscheint die Serie "Daido Hysteric" und er experimentiert mit Polaroids.

 

Weiteres Programm zur Daido Moriyama und zur japanischen Fotografie:

Kulturpreisverleihung der DGPh an Daido Moriyama
Montag, den 1. November 2004, 11 Uhr
Laudatio: Ferdinand Brüggemann/ Vortrag: Masafumi Fukagawa
KOMED Saal im Mediapark 7, 50670 Köln

Sonderausstellung Daido Moriyama
der DGPh auf der Art Cologne, 28.10.-1.11.2004

Book-Lounge mit DAIDO MORIYAMA
Samstag, den 30. Oktober 2004, 16 Uhr
Schaden.com, Burgmauer 10, 50667 Köln

Vortrag von Masafumi Fukagawa
Von Fujisan zu Fujiyama - zeitgenössische japanische Landschaftsfotografie
Sonntag, den 31.Oktober 2004, 15 Uhr
Japanisches Kulturinstitut, Universitätsstr. 98, 50674 Köln

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