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ROSTA - Russische Avantgarde x Andrei Molodkin

Vernissage: Freitag, 04.09.09, 18 - 22 Uhr
Andrei Molodkin ist anwesend

Ausstellung: 05.09.09 - 27.10.09
Di - Sa 11 - 18 Uhr

In dieser Ausstellung wird politische Avantgarde-Kunst der frühen Sowjetunion mit der aktuellen politischen Kunst des russischen Künstlers Andrei Molodkin gegenübergestellt. Andrei Molodkin hat in den letzten Jahren mit seinen politisch motivierten Erdölskulpturen und großformatigen Kugelschreiberzeichnungen international Beachtung erlangt und er vertritt Russland derzeit auf der Biennale in Venedig.

Gezeigt werden russische, handgemalte Avantgarde Plakate, ROSTA-Fenster, die in einer Zeit der inneren und äußeren Krise entstanden sind. Die ROSTA-Fenster sind die ersten sowjetischen Propaganda-Plakate, die von September 1919 bis Februar 1922 unter der Leitung von Vladimir Mayakovsky von der Russischen Telegraphen-Agentur "ROSTA" herausgegeben wurden.
Von Andrei Molodkin (* 1966) wird eine neue Kugelschreiberarbeit ausgestellt.

Die ROSTA-Fenster behandelten politische, militärische und wirtschaftliche Themen und wurden in den Moskauer Schaufenstern ausgehängt. Sie waren keine gedruckten Plakate im konventionellen Sinn. Sie wurden vielmehr von einigen der bedeutendsten russischen Avantgardekünstlern jener Zeit in Handarbeit angefertigt.

Von allen russischen Künstlern hat sich Wladimir Majakowski als einer der ersten und entschiedensten in den Dienst der Revolution gestellt. Für ihn waren politische und künstlerische Revolution in den Jahren nach 1917 eine untrennbare Einheit. Majakowski nannte die Rosta-Fenster die „manuelle Bedienung eines 150-Millionen-Völkchens durch eine Handvoll Künstler“. Von Ihm stammten etwa 9/10 der Texte. Er prägte auch maßgeblich die kühne, starkfarbig-flächige, lakonische und dabei dynamische Formensprache der witzigen, oft auch grotesken und volkstümlichen Zeichnungen in ihrer Einheit von politischer Schlagkraft und Modernität der Bildsprache.

Den herausragenden politischen Plakaten stellt die Galerie Priska Pasquer eine neue Kugelschreiberarbeit des russischen Künstlers Andrei Molodkin gegenüber.

In seiner Zeit als Soldat begann Andrei Molodkin mit seinen Kugelschreiberzeichnungen, die sich bevorzugt mit politischen Themen befassen. In dieser Arbeit „Ceci n’est pas Merkel“ spielt Molodkin mit einem Bildmotiv des ‚Finanzhaies’, welches im Frühjahr 2009 von der SPD plakatiert worden war . Dieses verbindet er mit der Anspielung auf das Gemälde von René Magritte.

Ergänzt wird die Ausstellung mit Vintage Fotografien von Alexander Rodchenko.
Der Künstler ist einer der Protagonisten der russischen Moderne. Bevor Rodchenko Mitte der 1920er Jahre die Fotografie als neues Medium für sich entdeckte, hatte er sich bereits als vielseitig tätiger und innovativer Künstler in Moskau hervorgetan.
Rodchenkos Auffassung von Fotografie verstand sich als radikaler Bruch mit der Kunstfotografie der Jahrhundertwende. Der fotografische Blick sollte revolutioniert werden, ein „neues Sehen“ die Gesellschaft und den Menschen – in einer Zeit epochaler Veränderungen in Russland und in Europa – verändern.


Zitat

The last series of the ROSTA posters was issued at the time when the Constructivists defied easel painting and committed themselves to production art. Thus the ROSTA collective, with the poet and artist Vladimir Mayakovsky on board, contributed to the new phase of the Russian avant-garde that guarded art from succumbing to the level of mere commodity. Success-fully advanced by the post-war neo-avant-garde artists, this paradigm of socially conscious aesthetics has fallen -- under the pressure of today’s narcissistic individualism -- into the category of endangered species. Andrei Molodkin’s ballpoint drawings that pulsate with the muscle power of “the artist as producer,” resuscitate the productivist model of art making; this time he renders a dichotomous image of a bloody shark reminding us that this mode of production is simultaneously powerful and vulnerable.

Dr. Margarita Tupitsyn


Zitat

Our fascination with Steven Spielberg’s film Jaws (1975) hints at the possibility that at the time of the ongoing financial crisis the global economy has misrecognized itself for a shark or used this image as a cover up for its crypted identity – “Vagina Dentata.” If “animals are sick of surplus value,” men must be sick of castration anxiety.
The notion that a shark is an exceptional swimmer is self-explanatory because it lives in water. A similar argument applies to Andrei Molodkin’s swimming in negativity. For as long as he stays there, his competence is hardly in question. Negativity mon amour is the slogan of today, for it prompts the artist to settle scores with what none of us should accept or tolerate.

Professor Dr. Victor Tupitsyn

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